Bemerkenswerte Altbestände Januar 2012
Auswahl von Annegret Furrer
Einleitung
Vincenz Bernhard Tscharner und Johann Conrad Fäsi beschreiben im 18. Jahrhundert die Schweiz, die Kantone sowie einzelne Orte. Schauen wir einmal, wie die Gemeinde Seelisberg im Kanton Uri umschrieben wird.
Die Bücher
Tscharner, Vincenz Bernhard: Historische, geographische und physikalische Beschreibung des Schweizerlandes/Band 3 : Aus dem Französischen übersetzt, und mit vielen Zusätzen vermehrt. – Bern : Emanuel Hortin, 1783. – 364 S. ; 19 cm
Signatur: UE 8115
Darin Seelisberg S. 210
"Eine Genossame im Canton Uri. Wir thun nur deswegen Meldung davon, weil sich darinn das Ort, Grütlin, befindet, da die ersten Eidgenossen zur Wiedererlangung ihrer Freyheit zusammengekommen sind."
Fäsi, Johann Conrad: Genaue und vollständige Staats- und Erd-Beschreibung der ganzen Helvetischen Eidgenossschaft, derselben gemeinen Herrschaften und zugewandten Orten/Band 2. – Zürich : Orell, Gessner und Compagnie, 1766. – VII, 778 S. ; 19 cm
Signatur: E 887 / UE 3339 / UE 4637 / UE 8242
Darin Seelisberg S. 169 ff.
"Dieses Pfarr-Dorf ist die erste Dorfschaft, wenn man über den IV. Waldstädter-See in den Canton Uri schiffet. Es liegt auf einem Berg, dem Fleken Brunnen in dem Canton Schweiz vorüber. Die ehemalige Capell dieses Orts, ehe dieselbe zu einer Pfarre erhebt worden stuhnd nebst dem Zehenden der Abbtey zum Frau-Münster in Zürich zu. Die Abbtey hat beyde Ao. 1418 den Gemeindsgenossen verkauft. Das Dorf grenzet an die Unterwaldischen Gebirge, und die Oerter Emmeten und Bekenried. Auf dem Sonnenberg, welcher in dieser Pfarre begriffen ist, stehet die Capell, Maria zum Trost, genannt. Die Treib ist eine Schifflände, Gasthaus und Güter, in der Ebne an dem See, unter dem Dorf Seelisberg. Hier sind von den IV. Waldstädten schon öfters besondere Tagsatzungen gehalten worden."
Die Autoren
Fäsi, Johann Conrad (Auszug aus dem Historischen Lexikon der Schweiz online)
26.4.1727 Zürich, 6.3.1790 Flaach, ref., von Zürich. Sohn des Hans Jakob, Buchbinders und Kaufmanns. ∞ 1) 1765 Regula Lavater, Tochter des Rudolf, Arztes, 2) 1768 Katharina Hirzel, Tochter des Kaspar Hirzel (beim Tannenberg). 1749 Abschluss des Theologiestud. in Basel. 1751-56 Hauslehrer in Pfyn. 1758 Rückkehr nach Zürich, hist. Vorlesungen in der Helvet. Gesellschaft. 1764 Pfarrer in Uetikon, ab 1776 in Flaach. 1765-68 erschien F.s Hauptwerk, die vierbändige "Staats- und Erd-Beschreibung der ganzen Helvet. Eidgenossenschaft". Angeregt von der polit.-statist. Methode seines dt. Zeitgenossen Anton Friedrich Büsching bemühte sich F. mit Erfolg, einen vollständigen Überblick über Geographie, Geschichte, Staats- und Ortskunde der Schweiz zu geben. Weitere teils schweizer-, teils universalgeschichtl. Arbeiten erschienen selbstständig oder in Zeitschriften.
Tscharner, Vincenz Bernhard (Auszug aus dem Historischen Lexikon der Schweiz online)
4.3.1728 Bern, 16.9.1778 Bern, ref., von Bern. Sohn des Emanuel ( -> 8). Bruder des Niklaus Emanuel ( -> 23). ∞ 1754 Maria Salome von Bonstetten, Tochter des Karl Emanuel von Bonstetten. Schwager des Karl Viktor von Bonstetten. T. wurde zusammen mit seinem Bruder Niklaus Emanuel von Johann Stapfer unterrichtet und nahm 1750-51 an deren Bildungsreise nach Deutschland, den Niederlanden, England und Frankreich teil. Schon früh entwickelte T. dichter. Neigungen, wovon seine Übertragungen von Albrecht von Hallers Gedicht "Die Alpen" und Teilen von Friedrich Gottlieb Klopstocks "Messias" ins Französische zeugen. Auch interessierte er sich für Geschichte und veröffentlichte 1756-58 die "Historie der Eidgenossen", die grosse Verbreitung fand. 1758 kaufte T. das Gut Bellevue am Gurten und machte es zu einem international ausstrahlenden Treffpunkt der Aufklärer. Im gleichen Jahr initiierte er die Gründung der Typograph. Gesellschaft Bern und rief mit Fortunato Bartolomeo de Felice zwei europaweit beachtete wissenschaftl. Zeitschriften ins Leben. T. war 1759 auch Gründungsmitglied der Ökonom. Gesellschaft von Bern, der er mehrere Jahre als Sekr. diente, und gehörte zu den ersten Mitgliedern der Helvet. Gesellschaft. Sein Interesse an der Landwirtschaft zeigte sich u.a. in seinem Lehrgedicht über die Wässerung der Äcker. 1763 erhielt er von Kg. Friedrich II. einen Ruf als preuss. Kulturminister, den er jedoch ablehnte. Er gelangte 1764 in den Berner Gr. Rat, verwaltete 1769-75 die Landvogtei Aubonne und wurde später Mitglied des welschen Appellationsgerichts und des Geheimrats. 1778 zum Landvogt von Lugano bestimmt, trat er das Amt noch an, gab es aber aus gesundheitl. Gründen kurz danach auf.


