Bemerkenswerte Altbestände Dezember 2011
Auswahl von Eliane Latzel
Joseph Wipfli
Wipfli, Joseph: Der poetische Kinderfreund.
Ernste und heitere Deklamationsstücke für Schulkinder. Im Urner Dialekt verfasst. - Einsiedeln: Eberle, Kälin & Comp., 1880. – 192/189 S. ; 10 x 15 cm.
Signatur: UE 319 / UE 2062
Weitere Ausgaben/Auflagen: Erscheinungsjahr 1901. Signatur: UE 2078
Erscheinungsjahr 1909. Signatur: UE 136 / UE 3004 / UE 2892 (nicht abgebildet)
Beschrieb
Die Kantonsbibliothek Uri besitzt verschiedene Ausgaben des „poetischen Kinderfreundes“ von Joseph Wipfli: von 1880, von 1901 und von 1909. Im Vorwort der Ausgaben mit Erscheinungsjahr 1909 schreibt der Autor und Herausgeber selbst, dass das Büchlein fast drei Jahrzehnte lang den Weg vom „Lande des Wilhelm Tell“ hinaus in die „Gauen des Schweizerlandes“ angetreten hat und bei „Hunderten, ja Tausenden von Familien“ Einzug gehalten und Aufnahme gefunden habe.
Alle drei Buchumschläge dokumentieren zeitgemässe Aussenwirkung von Gebrauchsliteratur und belegen im Kleinen den Wandel bei der Gestaltung des Umschlages innerhalb von drei Jahrzehnten.
Ausgaben 1880
UE 319: blaues Original Leinen, Prägung, Autorname und Buchtitel in der Mitte, von blütenförmigen Ornamenten eingerahmt, dreiseitiger Goldschnitt.
UE 2062: ausgebleichtes, ehemals weinrotes Original Leinen, Prägung, mit Engel in der Mitte, von blütenförmigen Ornamenten eingerahmt, schlicht, ohne Goldschnitt
Ausgabe 1901
UE 2078: braunes, ausgebleichtes, ehemals weinrotes Original Leinen, ähnlich wie blaues Original von 1880, ohne Initiale des Vornamens; verzierter Titelunterstrich; dreiseitiger Goldschnitt
Ausgaben 1909
UE 136 und UE 3004: der Zeit angepasste Schrift für Autorname und Titel, Jugendstilelement beim Titelunterstrich; UE 2892
Inhalt
Der Autor reagiert mit diesem Büchlein auf ein Bedürfnis, für Schulkinder leicht fassliche Gedichte aufzuschreiben. „Nicht der Dialekt, sondern die reine Schriftsprache ist ja das geistige Verbindungsmittel der civilisirten Völker“, schrieb Joseph Wipfli im Vorwort. Er fährt weiter mit „Es gibt aber doch wieder Anlässe und Momente, wo der naturwüchsige Dialekt das feine Gewebe hochdeutscher Formen keck durchbricht und seine volle Geltung erzwingt. Im Dialekt singt die Mutter dem Kindlein in der Wiege die Schlummerlieder. Im Dialekt bringt die Erzieherin den Kindern die ersten Benennungen der Dinge bei. (…) Weil der Dialekt etwas Antikes, etwas Ehrwürdiges ist, wird er selbst von Gelehrten gewürdigt und ist für sie sogar ein Gegenstand der Forschung geworden. Es besteht thatsächlich, wie allgemein bekannt, in der Schweiz eine Gesellschaft von gelehrten Männern, welche die mühevolle Aufgabe übernommen haben, die verschiedenen Dialekte der einzelnen deutschen Gebietstheile zu erforschen, um später einmal ein reichhaltiges Wörterbuch des schweizerdeutschen Idiotikons, (…) dem Schweizervolke vorlegen zu können.“
Den Gedichten vorangestellt sind Bemerkungen zur Orthographie des Dialekts sowie ausführliche Worterklärungen.
Nebst Joseph Wipfli leisten zwei weitere Urner Autoren mit Gedichten ihren Beitrag, nämlich Lehrer Joseph Zurfluh und der ehemalige Altdorfer Gemeinderat (1852 – 1856) und Nationalrat Florian Lusser. Von Florian Lusser stammt das bekannte und auch heute noch oft gesuchte und zitierte Gedicht „Der Läbeslaif vom Fehn“ (S. 188/189).
Die Autoren
Wipfli, Joseph (Josef). 14.11.1844 Wassen - 06.01.1910 Zürich
Pfarrer, Lehrer, Dichter
Sohn des Mathäus, Gastwirt, und der Klara Jos., geb. Z'berg. Kantonsschule in Altdorf, gefördert von der Landammannfamilie Alexander Muheim und Söhnen Karl und Gustav. 1865 Freiplatz am Priesterseminar Monza, 1866 – 1867 Seminar in Mailand, 1867 - 1868 in Mainz, 1868 Diözese Chur. 1870 – 1885 Pfarrhelfer in Erstfeld, begründet Sekundarschule. 1886 Pfarrer in Davos, 1890 in Balzers, ab 1892 Lehrer der Kantonsschule Altdorf. 1900 – 1908 Pfarrhelfer in Lungern, 1908 wohnhaft in Sachseln, 1909 Kuratkaplan in Immensee.
Werke. Lyrik in Schriftsprache und Mundart, Novellen, Humoresken, Predigten, Andachts-, Erbauungs- und Gebetbücher, darunter auch Miniaturgebetbücher für Kinder.
Auswahlbibliographie. Scheuber, Josef Konrad: Joseph Wipfli - Ein Urner Volkspoet. Ein bescheidenes Gedenkwort. In: 3. Jahresgabe der Kantonsbibliothek Uri 1956, Bd. 3, S. 3 - 24. Enthält die Bibliographie von Josef Wipflis Werken.
Zurfluh, Joseph (Josef). 07.04.1844 Silenen – 07.01.1913 Alpnach
Lehrer, Organist in Silenen, Euthal, Ingenbohl, Kerns.
Werke. Publizierte Lyrik und Prosa unter dem Pseudonym „Uli am See“ im Urner Kalender und im Urner Wochenblatt (UW), zudem auch Publikationen im Obwaldner Volksfreund.
Der Schweizer Mundartdichter und bekannte Theater- und Radiomann Julian Dillier (26.02.1922 Sarnen - 15.01.2001 Basel) machte sich in den 50-er Jahren sehr verdient um die Autobiographie von Lehrer Joseph Zurfluh. Er schrieb das Tagebuch des Schulmeisters Zurfluh, das er im Original vom damaligen Regierungsrat Otto Hess, Kerns, zur Verfügung gestellt bekam, in zwei Abschriften ab.
Julian Dillier selbst übergab einem Urner Forscher eine Kopie seiner am 28. Juni 1951 datierten Abschrift des Lehrer-Tagebuch-Manuskriptes.
Ein Exemplar der maschinenschriftlichen Kopie ist auch in der Kantonsbibliothek Obwalden, Sarnen, vorhanden (Signatur SCb 00374, nicht entleihbar).
Der über 79-seitige Lebensbericht ist eine wertvolle Zentralschweizer Gesellschafts-, Kultur- und Schulgeschichte der damaligen Zeit. Joseph Zurfluhs Mutter begleitete ihren Sohn bis zu ihrem Tod am 17. Januar 1898 an den Schulorten und verdiente sich ihren Lebensunterhalt in Uri, Schwyz und Obwalden mit Arbeiten am Webstuhl. Der Schreibende gibt detailliert Auskunft über seine finanziellen Verhältnisse und dokumentiert damit die materielle Situation seiner Berufsgattung im 19. Jahrhundert. Den Lebensabend verbrachte Lehrer Zurfluh bis zu seinem Tod in Alpnach.
Lusser, Florian. 17.12.1820 Altdorf – 13.07.1889 Altdorf
Siehe Artikel von Urs Kälin in:
Historisches Lexikon der Schweiz
http://www.hls-dhs-dss.ch
Lusser, Florian. Nr. 3

- "Dr Läbeslaif vom Fehn". Mundartgedicht von Florian Lusser in "Der poetische Kinderfreund"
Kreuz u(nd) Palme
Vollständiges Gebetbuch für katholische Christen, für alle Stände und Verhältnisse.
Hrsg. von Josef Wipfli. Mit Approbation des Hochw(ürdigen) Bischofs F(ranz) C(onstantin) Rampa von Chur. Einsiedeln: Eberle, Kälin & Cie, 1886. – 448 S. ; 7,3 x 11,5 cm
Signatur: UE 8684
Beschrieb
Dekorativer, dunkelbrauner Zierledereinband der Zeit mit dezenter Goldprägung, dreiseitiger Goldschnitt, goldgemusterte Vorsätze auf hellblauem Grund. Mit Leseband.
Provenienz
Exemplar enthält Widmung: „für Johannes Madarla von Firmpathen Benedikt Rusch von Aargau“
Inhalt
Enthält Gebete und Andachten
Autor
Wipfli, Joseph (Josef). 14.11.1844 Wassen - 06.01.1910 Zürich
Siehe oben.










