25 x ins Netz gestellt. Bemerkenswerte Altbestände
"Das Handbuch der historischen Buchbestände in der Schweiz" versteht sich als beschreibendes Inventar des in verschiedenen Schweizer Archiven und Bibliotheken aufbewahrten gedruckten Schrifttums, das seit dem Beginn des Buchdrucks bis zum 1900 erschienen ist. Zum historischen Buchbestand zählen Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Musikdrucke, Karten und Ephemera. Handschriften werden nicht berücksichtigt. Als gesamtschweizerisches Projekt will das Handbuch dem Wissenschaftler wie auch dem interessierten Laien die reichen und in vielen Gebieten wenig bekannten gedruckten Altbestände von Schweizer Bibliotheken und Büchersammlungen jeglicher Provenienz und aus alten Landesteilen erschliessen". (entnommen aus dem "Rahmenprogramm Veranstaltungen der historischen Buchbestände in der Schweiz")
Februar 2012
Auswahl von Daniela Gabert
Einleitung
Bereits in den Lateinschulen des Mittelalters kannte man Schullesebücher. Zu dieser Zeit wurden hauptsächlich christlich-theologische Texte vermittelt. Im 15./16. Jahrhundert gesellte sich das Realienbuch mit Themen aus Natur und Umwelt dazu. Das Lesebuch als pädagogisches Medium entstand in Eberhard von Rochows Kinderfreund im Jahre 1776. Die Kantonsbibliothek Uri besitzt Exemplare aus den Jahren 1800 und 1836.
Als Verfasser der Schulbücher (Lesebuch für die Elementar-Schulen des Kantons Uri) erbrachte Josef Maria Walker in der Geschichte des urnerischen Schulwesens eine Pionierleistung, denn bis dahin verfügte Uri über keine eigenen Lehrmittel.
Die Bücher
"Der Urahn aller Schullesebücher" (Reble 1951, S. 157)
Rochow, Friederich Eberhard von: Der Kinderfreund, ein Lesebuch zum Gebrauch in Landschulen. – [S.l.] : [s.n.], 1800. – 194 S. ; 17 cm
Signatur: UE 369
Von Rochows Kinderfreund wurden über 10'000 Exemplare gedruckt, in diverse Sprachen übersetzt und bis ins 19. Jahrhundert verwendet. Zur Funktion seines Buches merkte Rochow im Vorbericht an: "Uebrigens hat der Verfasser geglaubt, dass dieses Buch so lange, bis ein besseres da ist, geschickt sey, die grosse Lücke zwischen Fibel und Bibel auszufüllen". Der Inhalt beginnt mit „Ein Gebet für kleine Kinder“ und endet mit "Der Alte", diese Geschichte handelt von einem alten Baum, zu dessen Füssen ein kleines Kind spielt.
Ein Gebet für kleine Kinder
Viel Böses seh ich als ein Kind,
und Böses lernet man gschwind:
Behuet, o Gott, mich jeden Tag,
Dass ich nichts Boeses lernen mag!
Auch den Lehrern wird dieses Buch besonders empfohlen: "Schade nur ist es, dass man sehr wenig Lehrern den rechten Gebrauch des Buches mittheilen kann. Der Titel, Lesebuch, scheint irre zu fuehren. Sie lesen es, und lassen die Kinder es vorlesen, oft sieben Historien nach einander – da sie denn freylich bald durchkommen, und es endlich ueberdruessig werden muessen."
"…dass die Kinder im Lesen die Worte recht aussprechen…" (Normalbüchlein und Lesbuch von St. Urban)
Walker, Joseph Maria: Lesebuch für die Elementar-Schulen des Kantons Uri. – Altdorf : Buchdruckerei von J. J. Högger, 1858. – 118 S. ; 18 cm
Signatur: UE 400 und UE 738
Die Schulordnung des Kantons Uri von 1805 schrieb das „Normalbüchlein“, den "kleinen Kathechismus von Konstanz" sowie „Kathechismus und Lesebuch von St. Urban“ vor. Josef Maria Walker hatte in Silenen ausschliesslich von den Luzerner Schulbüchern Gebrauch gemacht. Seine selbstverfassten Schulbücher bewährten sich in der Praxis, wurden doch mehrere Neuauflagen gedruckt und unser Nachbarkanton Nidwalden führte sein "Lesebuch für die Elemantar-Schulen des Kantons Uri" auch ein.
Einfache Sätze
Das Veilchen ist eine Blume. Das Veilchen ist blau. Das Veilchen riecht.
Der Baum ist eine Pflanze. Der Baum ist fruchtbar. Der Baum blüht.
Die Biene ist ein Insekt. Die Biene ist fleissig. Die Biene sticht.
Die Ziege ist ein Hausthier. Die Ziege ist naschhaft. Die Ziege meckert.
Ein Schultag in Silenen bei Lehrer Joseph Maria Walkter hatte folgendes Aussehen:
"Morgens von 9 – 10 Uhr durch die ganze Schule Lesen, Syllabiren, Buchstabiren etc. und mit höhern Klassen Erklären des Gelesenen; von 10 – 11 Uhr mit 4 Klassen teutsche Sprachlehre und mit 2 Klassen Kopfrechnen; von 11 – 12 Uhr mit 5 Klassen Zifferrechnen; von 12 – 1 Uhr alle Klassen das Schönschreiben üben; von 1 – ½ 2 – 2 Uhr gemeinnützige Gegenstände, als Natur- und Vaterlandsgeschichte, allgemeine Verhaltensregeln usw. Alle Samstage habe ich anstatt dem Lesen Religionsunterricht."
(Quelle: Beat Arnold. Josef Maria Walker 1806 – 1866 : Ein Leben für die Urner Schulen. Altdorf, Liz. Arbeit 1980)
Grundsätzlich hielt Walker in den folgenden Jahren an diesem Vorgehen fest.
Die Autoren
Friedrich Eberhard von Rochow (Auszug aus Wikipedia)
Geboren 11.10.1734 in Berlin, gestorben 16. Mai 1805 auf Schloss Rechahn, Mark Brandenburg. Friederich Eberhard von Rochow war ein preussischer Gutsbesitzer und Pädagoge zur Zeit der Aufklärung, bekannt vor allem durch seine Schulreform im Geist des Philanthropismus. Rochow stammt aus einem märkischen Adelsgeschlecht, das ursprünglich aus der Schweiz stammte. 1756 wurde Rochow an der Hand schwer verletzt und gab die militärische Laufbahn auf. 1759 heiratet er Christine Louise von Bose. 1773 gründete Rochow bei seinem Gut in Reckahn, eine Dorfschule, die bald Musterschule für ähnliche Anstalten wurde, 1775 eine Schule auf seinem Gut Gottin, 1799 eine weitere Schule in Krahne. 1805 verstarb Friedrich Eberhard von Rochow.
Josef Maria Walker (Auszug aus dem Historischen Lexikon der Schweiz online)
Geboren 16.2.1806 in Silenen, gestorben 9.4.1866 Silenen, kath., Landmann von Uri, wohnhaft in Silenen. Sohn des Josef Leonz, Lehrers und Gemeindeschreibers. ∞ 1) 1835 Barbara Zgraggen, Tochter des Johann Albin, ∞ 2) 1844 Franziska Kieliger, Tochter des Josef Stephan. 1827-30 Ausbildung zum Armenlehrer bei Philipp Emanuel von Fellenberg in Hofwil. 1830-66 Lehrer in Silenen, 1839-64 Gemeindeschreiber, 1834-50 zweifacher Malefiz-Landrat, 1849-66 Mitglied des Kantonsgerichts, 1850-52 Mitglied der Gesetzesrevisionskommission, 1850-52 konservativer Landrat, 1849-66 Diözesanrat, 1853-66 Urner Regierungsrat. Grosser Förderer des Urner Schulwesens. Verfasste ab 1845 Schulbücher für die Grundschulen des Kt. Uri.
Quellen
Robert Fäh
Urner Schiefertafel : Aus der Urner Schulgeschichte. – Altdorf : Bildungs- und Kulturdirektion des Kantons Uri, 2000
Beat Arnold
Josef Maria Walker 1806 – 1866, ein Leben für die Urner Schulen. – Altdorf : Liz. Arbeit, 1980
http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Eberhard_von_Rochow




